45 Jahre „Irrlichter“ – Inklusive Fotokunst in der VHS Detmold-Lemgo gefeiert
Mit einer kreativen Vernissage eröffnete die inklusive Fotogruppe „Wir Irrlichter“ am 21. September 2025 ihre Jubiläumsausstellung in der VHS Detmold-Lemgo. Seit 45 Jahren beweist das Projekt, wie Inklusion kreativ, selbstbewusst und inspirierend gelebt werden kann.
Die VHS Detmold-Lemgo war bis auf den letzten Platz gefüllt, als sich Weggefährt:innen, aktuelle Teilnehmende und viele Gäste zur Vernissage von „Wir Irrlichter“ versammelten. Gemeinsam mit der Lebenshilfe Detmold wurde dort das 45-jährige Bestehen des Projektes gefeiert – und mit der Ausstellung „Schön zu sehen“ ein neues Kapitel aufgeschlagen.
Gegründet 1980 als dokumentarisches Projekt, entwickelte sich aus dem Kurs schnell eine inklusive Fotogruppe, in der Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Ideen entwickelten, experimentierten und Grenzen verschoben. „Je schräger und witziger, desto besser“ lautet das Motto bis heute. Was als journalistische Dokumentation begann, wurde zu einem kreativen Raum, in dem Provokation, Humor und gesellschaftspolitische Botschaften ineinandergreifen.
Die „Irrlichter“ hinterfragen seit jeher vorgefertigte Lebenskonzepte und brechen mit dem gesellschaftlichen Gebot des „Unauffällig-Seins“. Ihre Arbeiten sind oft skurril, manchmal provokativ, immer aber Ausdruck von Vielfalt, Mut und Zusammenhalt. Inklusion bedeutet hier nicht Theorie, sondern gelebte Praxis: Alle bringen ihre eigenen Stärken ein, lernen voneinander und inspirieren sich gegenseitig.
Antreiber des Projektes sind seit der ersten Stunde Paul Hartjens und Irmi Tubbesing. Dank ihres Engagements hat die Gruppe nicht nur Hürden der Anfangsjahre überwunden – etwa die Frage, ob Menschen mit Behinderung überhaupt VHS-Kurse besuchen dürfen –, sondern auch immer wieder neue Formen gefunden, sich künstlerisch zu äußern. Höhepunkte waren Teilnahmen am „Carnival der Kulturen“ in Bielefeld und zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland.
Ein bewegender Moment der Vernissage war das Ritual von Erwin Friedeheim, der seit dem ersten Tag dabei ist. Jedes Treffen beginnt er mit den Worten: „Schön zu sehen!“ – ein Satz, der zum Titel der aktuellen Ausstellung wurde.
Stephanie Kleine vom Vorstand der Lebenshilfe sagte in ihrer Ansprache: „Im Namen der Lebenshilfe Detmold möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen und auch bei allen Kursteilnehmer*innen für ihr Engagement, ihre Kreativität und ihr Durchhaltevermögen bedanken. Die Lebenshilfe ist stolz dieses Projekt zu unterstützen, das auf so vielfältige Weise einen so wichtigen Beitrag leistet, auf dem Weg in eine inklusive Gesellschaft.“
Die Ausstellung „Schön zu sehen“ ist bis Dezember 2025 in der VHS Detmold-Lemgo zu erleben. Sie bietet einen eindrucksvollen Rückblick auf 45 Jahre Fotokunst und macht deutlich: Inklusion ist nicht nur ein gesellschaftliches Ziel, sondern gelebte Realität – und manchmal eben auch ein Stück verrückte Schönheit.
