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Politische Diskussion macht Menschen mit Behinderung Angst

Lebenshilfe Detmold befragte Landespolitiker zur Zukunft der stationären und ambulanten Versorgung

Die im Landtag vertretenen Parteien wollen den Strukturwandel in der Behindertenhilfe weg von stationären Einrichtungen und hin zu

ambulanter Versorgung unterschiedlich intensiv vorantreiben:
Während einer von Christine Etrich (WDR) geleiteten Podiumsdiskussion der Lebenshilfe Detmold in der Werrewerkstatt Schönemark sprach sich am Donnerstagabend insbesondere Grünen-Vertreter Martin Kresse für einen schnellen und kompletten Umbau des Systems aus. Günter Garbrecht (SPD), Manfred Luckey (CDU) und Horst Grumich (FDP) plädierten dagegen - in Abstufungen - für ein behutsameres Vorgehen. Einig waren sich die Politiker darin, dass die finanzielle Verantwortung für diesen Bereich in Zukunft auch verstärkt vom Bund getragen werden müsse. Die Kommunen und die Landschaftsverbände seien angesichts des ständig steigenden Hilfebedarfs überfordert.

Lebenshilfe-Vorsitzende Katharina Kleine Vennekate, Geschäftsführer Bernd Conrad und Christian Klöpper vom Werkstattrat der Lebenshilfe hatten die Politiker zunächst eindringlich auf ihre Sicht der Dinge aufmerksam gemacht: Für sie sei das "Wunsch- und Wahlrecht" des Menschen mit Behinderung elementar. Die Betroffenen müssten so weit wie möglich selbst entscheiden dürfen, ob sie innerhalb oder außerhalb einer Behindertenwerkstatt bzw. eines Wohnheims arbeiten und leben möchten. Die "große Sorge" der Lebenshilfe-Mitarbeiter brachte Christian Klöpper auf den Punkt: "Wir freuen uns, dass Menschen mit Behinderung mehr auf den ersten Arbeitsmarkt integriert werden sollen.

Es gibt aber hier in der Werkstatt viele Mitarbeiter, die auf dem ersten Arbeitsmarkt untergehen werden oder dort bereits gescheitert sind. Diesen Menschen macht die derzeitige Diskussion Angst.

Sie brauchen Sicherheit, dass sie hier bleiben können."

Werkstattleiter Ralf Kammel ging noch einen Schritt weiter: Angesichts steigender Nachfrage brauche die Lebenshilfe dringend zusätzliche Werkstattplätze, zumal selbst sich selbst sozial engagierte Arbeitgeber bei der Einrichtung von Außenarbeitsplätzen für Menschen mit Behinderung sehr zurückhielten.

Akute Sorgen müsse sich niemand machen, versprachen alle Politiker auf dem Podium. Allerdings verwiesen sie auch auf die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen und das dort festgeschriebene Ziel der Inklusion: Durch Übernahme dieser Konvention in deutsches Recht habe sich die Bundesrepublik verpflichtet, eine vollständige Integration von Menschen mit Behinderung in die Gesellschaft anzustreben. Als logische Konsequenz müssten separate „Schutzräume“ eigentlich aufgelöst werden. Martin Kresse, Sozialpolitiker der Grünen, machte deutlich: Menschen mit Behinderung sollten in Zukunft gemeinsam mit einem Betreuer in kleinen Gruppen auf dem ersten Arbeitsmarkt tätig sein. Ebenso müssten diese Menschen verstärkt außerhalb von Wohnheim leben. Für eine Übergangszeit werde es Doppelstrukturen der bestehenden stationären Versorgung und der verstärkt geförderten ambulanten Versorgung geben, so dass es vorübergehend sogar zu Mehrkosten gegenüber dem heutigen Modell komme, räumte er ein. Langfristig jedoch solle es stationäre Einrichtungen kaum noch geben.

Die Lebenshilfe-Vertreter konnten sich mit dieser Perspektive nicht anfreunden: Vorsitzende Kleine Vennekate warnte vor "Ideologien" und rief dazu auf, bei allen Entscheidungen das Individuum zu sehen.

Die Lebenshilfe habe bereits viele Außenarbeitsplätze und Integrationsunternehmen geschaffen und das ambulant betreute Wohnen erheblich verstärkt. "Wir sind auf gutem Weg", betonte sie und wies auch darauf hin, wie wichtig für Menschen mit Behinderung die Gemeinschaft in einer Werkstatt und Wohnstätte sei. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl habe er selbst während seines Praktikums auf Gut Johannettental erlebt, bestätigte Horst Grumich die Aussagen der Vorsitzenden anhand seiner eigenen positiven Erfahrungen bei der Lebenshilfe.

Lehi-Diskussion

Engagierte Diskussionsteilnehmer (von links nach rechts): Victoria Awiszus Werkstattratsvorsitzende der Lebenshilfe), Günter Garbrecht (SPD-Landtagsabgeordneter), Horst Grumich (FDP-Landtagskandidat),Christian Klöpper (stellvertretender Werkstattratsvorsitzender der Lebenshilfe), Manfred Luckey (CDU-Landtagsabgeordneter), Katharina Kleine Vennekate (Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe), Martin Kresse (Fraktionsmitglied Bündnis 90/Die Grünen in der Landschaftsversammlung Rheinland) und Moderatorin Christine Etrich (WDR)

Foto: privat



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