Solide Rücklagen helfen in der Krise
Lebenshilfe Detmold zieht Jahresbilanz. Zusätzliche Arbeitsplätze in Sicht Wohnstätten-Projekte
Die Lebenshilfe Detmold wird nach Angaben ihrer Vorsitzenden Katharina Kleine Vennekate auf sich verändernde Rahmenbedingungen in der Behindertenhilfe differenziert reagieren. Sie werde ihre Angebote an die neuen Bedingungen anpassen, wo es sinnvoll erscheine, und protestieren, wenn die Teilhabe von Menschen mit Behinderung in der Gesellschaft in Gefahr gerate, betonte die Vorsitzende während der Mitgliederversammlung in der Werre-Werkstatt-Schönemark. Angesichts steigender Mitgliederzahlen und einer soliden Rücklage habe der Verein aber noch immer ausreichend starke Schultern, um die Auswirkungen der aktuellen Wirtschaftskrise zu bewältigen: An die Mitarbeiter in den Werkstätten hätten daher in diesem Jahr mehr Löhne ausgeschüttet werden können als erwirtschaftet wurden, ergänzte Geschäftsführer Bernd Conrad. Auch werde erneut ein Weihnachtsgeld ausgezahlt.
In den Werkstätten der Lebenshilfe arbeiten derzeit 790 Menschen mit Behinderung, 20 mehr als vor einem Jahr. "Trotz aller Bemühungen um eine Vermittlung dieser Menschen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt rechnen wir in den nächsten Jahren mit einem weiteren Anstieg", sagte Conrad. Neue Arbeitsplätze würden vor allem in Bereichen angesiedelt, die nicht so sehr konjunkturellen Einwirkungen unterworfen seien: Die Lebenshilfe werde der Nachfrage entsprechen und weitere Küchen-Bewirtschaftungen übernehmen. Konkret sprach Conrad in diesem Zusammenhang die Übernahme der Kreishaus-Kantine als Integrationsunternehmen in Kooperation mit dem Lippischen Kombi-Service sowie der neuen Mensa im Schulzentrum von Horn an. Das Bistro "unErwartet" im Detmolder Bahnhof entwickele sich "langsam, aber stetig". Es profitiere vor allem von den monatlichen Kulturveranstaltungen.
Ein "rasantes" Wachstum bescheinigte Conrad dem Ambulant betreuten Wohnen der Lebenshilfe: Innerhalb eines Jahres sei die Nutzerzahl von 48 auf 65 Personen gestiegen. Durch diese Entwicklung hin zur "Ambulantisierung" sei es der Lebenshilfe möglich, die starke Nachfrage nach Wohnraum zu decken, weil die Zahl der Plätze in einer Lebenshilfe-Wohnstätte durch den Kostenträger auf 172 beschränkt sei. Die neue Wohnstätte in Lage wird nach Angaben des Geschäftsführers Mitte 2010 fertig. Sie ersetzt die Wohnstätte Kattenmühle in Horn-Bad Meinberg. Für 2011 sei der nächste "Generationswechsel" einer Wohnstätten geplant. Die Marianne-Frostig-Kindertagesstätte auf Gut Johannettental hat nach Conrads Worten ebenfalls nicht über fehlende Nachfrage zu klagen. Im Gegenteil: Hier würden derzeit mit Zustimmung des Kostenträgers sogar zwei Kinder mehr betreut als offiziell Plätze vorhanden seien.
Einen herzlichen Dank richteten der Geschäftsführer und die Vorsitzende an die vielen ehrenamtlichen Helfer der Lebenshilfe. Sie lobten auch die regelmäßigen Spender, ohne viele Aktivitäten der Lebenshilfe nicht möglich seien. Conrad erwähnte in diesem Zusammenhang das von der Peter-Gläsel-Stiftung finanzierte Tanzprojekt "ResiDance", die vom Lions-Club Detmold Residenz bezuschusste Hundetherapie und das von der Sparda-Bank-Stiftung gesponserte Musikprojekt der Johannes-Brahms-Schule Detmold. In Zukunft werde sich auch die Petri-Stiftung der Lebenshilfe um die Akquisition von Finanzmitteln kümmern, kündigte Conrad an.
Zu Beginn der Mitgliederversammlung hatte die Vorsitzende Harald Dröge, Dietmar Hermann, Hiltrud Katschke, Mathias Kryzanski, Rainer Mathuse, Dirk Milosevic, Bernd Nagel und Wilfried Plöger für 25-jährige Mitarbeit in der Lebenshilfe geehrt. Ihr 35-jähriges Jubiläum feiern in diesem Jahr Brigitte Brinkmann, Erwin Friedeheim, Gisela Hansmann, Ute Johann, Wolfgang Kaminiarz, Jörg Lohmann, Angelika Lohrmann, Nicole Niederkrome, Brigitte Otto und Thomas Sander.